Mastodon in deutschen NGOs und Medien: stabil, kein Wachstum, kein Schrumpfen
Ausgangsfrage
Seit dem starken Aufmerksamkeitsschub rund um Mastodon in den Jahren 2022 und 2023 wird regelmäßig gefragt: Wächst Mastodon noch – oder war das nur ein kurzer Hype?
In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden wie wichtig eine Alternative zu X/Twitter für all’ diejenigen ist, die nicht hinter der Politik von Musk & Co stehen. Mastodon wird häufig als relevante Alternative zu kommerziellen Plattformen gesehen. Mit diesem Beitrag versuche ich, diese Frage datenbasiert zu beantworten – mit einem Fokus auf tatsächliche Nutzung und Interaktion statt auf vanity metrics wie die Zahl der Accounts (unabhängig davon ob sie wirklich genutzt werden.)
Für diese Auswertung betreiben wir seit einiger Zeit ein Scraping der relevanten Accounts auf Twitter, wird. Hieraus wird ein täglich aktualisiertes Dashboard erstellt, was die Entwicklung, die wichtigsten Accounts und die wichtigsten Trööts der letzten 4 Wochen und des letzten Jahres darstellt
Ergebnisse
Reaktionen auf Trööts deutscher NGOs
Letztes Update: 2026-01-13.
Reaktionen auf Trööts deutscher Medien
Letztes Update: 2026-01-13.
Mastodon bleibt stabil
Über den gesamten beobachteten Zeitraum zeigt sich ein klares Bild:
- Kein anhaltendes Wachstum der Interaktionen
- Kein signifikanter Rückgang
- Stattdessen: ein relativ konstantes Aktivitätsniveau
Das widerspricht sowohl dem Narrativ eines linearen oder gar exponentiellen Wachstums als auch der These eines schleichenden Bedeutungsverlusts.
Mastodon hat sich – zumindest in diesem Akteursfeld – in einen stabilen Zustand eingependelt.
Methodik
Die Analyse basiert auf einem mehrstufigen Ansatz. Ziel war es nicht, Mastodon insgesamt zu vermessen, sondern die sichtbaren Aktionen und Reaktionen von und auf relevante Akteure aus deutschen NGOs und Medien zu erfassen.
a) Auswahl der Accounts
Zunächst wurde eine Liste von Personen und Organisationen aus deutschen NGOs und Medien erstellt.
- Für den Medienbereich diente die kuratierte Beobachtung aktiver Journalist:innen als Ausgangspunkt (u. a. inspiriert durch regelmäßige Übersichten aus dem Tech- und Medienjournalismus, z. B. rund um Heise).
- Für NGOs wurden zentrale Organisationsaccounts sowie prominente Einzelpersonen berücksichtigt.
Wichtig: Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern versucht die wichtigsten Accounts zu erfassen. Wir sind jederzeit offen für neue Vorschläge.
b) Sammlung der Trööts
Für alle ausgewählten Accounts wurden sämtliche öffentlichen Trööts erfasst.
c) Erfassung der Interaktionen
Ein zentrales methodisches Problem bei Mastodon ist bekannt:
Die Gesamtzahl der Interaktionen (Antworten, Boosts und Favoriten) ist nur auf der jeweiligen Home-Instanz eines Accounts vollständig sichtbar.
In dieser Auswertung werden Reaktionen wie folgt definiert:
- Antworten (replies)
- Boosts (reblogs)
- Favoriten bzw. Likes (favourites)
Die Gesamtzahl der Reaktionen ergibt sich somit aus:
Antworten + Boosts + Favoriten
Für jeden Account wurde daher: - die jeweilige Home-Instanz identifiziert - dort die Reaktionszahlen pro Trööt abgerufen
Dieser Schritt ist aufwendig, reduziert aber systematische Verzerrungen deutlich.
d) Zeitliche Zuordnung
Die Interaktionen wurden dem Datum des jeweiligen Trööts zugeordnet.
Das ist methodisch nicht perfekt, da Interaktionen oft zeitverzögert stattfinden. Für die Fragestellung dieses Beitrags ist es jedoch die beste verfügbare Näherung.
Einordnung
Die Ergebnisse legen nahe:
- Mastodon ist für NGOs und Medien kein Wachstumskanal im klassischen Sinne.
- Gleichzeitig ist es kein Auslaufmodell.
Stattdessen fungiert Mastodon als: - stabiler Kommunikationsraum - mit begrenzter, aber verlässlicher Aufmerksamkeit - für bestimmte Zielgruppen und Diskurse
Wer Mastodon nutzt, erreicht dort nicht „die Öffentlichkeit“, sondern eine spezifische, relativ konstante Community.
Methodische Grenzen
Diese Analyse hat natürlich Grenzen:
- Keine Aussage über private Accounts oder DMs
- Keine Hochrechnung auf „alle Mastodon-Nutzer:innen“
- Fokus auf Interaktionen, nicht auf Reichweitenpotenziale
Auch die Auswahl der Accounts ist nicht vollständig objektivierbar. Hier sind wir für Feedback besonders dankbar. Die vollständige Liste findet sich im Dashboard.
Fazit
Mastodon wächst nicht – und schrumpft nicht.
Für deutsche NGOs und Medien ist Mastodon:
- stabil
- relevant für bestimmte Akteur:innen
- aber kein Ersatz für reichweitenstarke Plattformen
Feedback, Ergänzungen oder Hinweise auf fehlende Accounts sind ausdrücklich willkommen: @OMoldenhauer@digitalcourage.social .